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Berufsfachschule für Ergotherapie setzt auf Kontinuität - Langjährige Stellvertreterin Christiane Reiser folgt auf Schulleiter Rainer Vollmer

12.08.2019 Langjährige Stellvertreterin Christiane Reiser folgt auf Schulleiter Rainer Vollmer, der seit 1993 an der Spitze der Günzburger Einrichtung stand. Im Ruhestand will sich der bald 66-Jährige mehr seiner Familie und seinen Motorrädern widmen.

Christiane Reiser steht ab sofort an der Spitze der Berufsfachschule für Ergotherapie am BKH Günzburg. Die bisherige Stellvertreterin folgt auf Rainer Vollmer, der nach 26 Jahren als Schul- und Ausbildungsleiter in den Ruhestand ging.
Christiane Reiser und Rainer Vollmer vor der Berufsfachschule für Ergotherapie am BKH Günzburg. (Bild: Georg Schalk)

An der Berufsfachschule für Ergotherapie der Bezirkskliniken Schwaben in Günzburg hat es einen Wechsel gegeben: Der langjährige Leiter Rainer Vollmer ist in den Ruhestand verabschiedet worden. Ihm folgt seine Stellvertreterin nach, die 54-jährige Christiane Reiser. Die Schule setzt also auf Kontinuität.

Vollmer hat die Berufsfachschule am Bezirkskrankenhaus (BKH) geprägt, wie die Redner bei der Verabschiedungsfeier im Festsaal betonten: Seit 1993 war er dort tätig, zunächst als Ausbildungsleiter, später als Schulleiter. Der gebürtige Stuttgarter, der in Ulm aufwuchs und heute mit seiner Frau Gabi und seinen beiden Söhnen Max und Frieder in Giengen/Brenz lebt, gehörte sogar der Gründungsklasse (von 1980 bis 83) an. Damals hieß die Ergotherapie noch Beschäftigungs- und Arbeitstherapie. Im November feiert er seinen 66. Geburtstag. Am 30. Juni wäre er ausgeschieden. Um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten und die zu diesem Zeitpunkt laufenden Examensprüfungen zu Ende zu bringen, verlängerte er bis 31. Juli.

„Ich habe nur versucht, meinen Job zu machen“, sagte der scheidende Schulleiter mit einer Portion Bescheidenheit. Sein Berufsleben habe nicht immer einen so geradlinigen Verlauf genommen. Umso dankbarer sei er, diese Tätigkeit über so viele Jahre ausüben zu können. „Rückblickend gesehen darf ich sagen: Es hat einfach gepasst! Ich durfte und konnte so sein, wie ich bin“, zog Vollmer als Resümee. Jetzt freue er sich auf seine Familie und insbesondere auf das Motorradfahren. Ein Satz unter einem Bild mehrerer „Biker“, das auf die Leinwand geworfen wurde, brachte es auf den Punkt: „Nach fast 30 Jahren an der BFS für Ergotherapie haben meine Familie und meine Motorräder zunehmend festgestellt, dass ich mehr Zeit mit ihnen verbringen sollte.“

Viel Zeit mit ihm durfte seine jetzige Nachfolgerin verbringen – insgesamt 26 Jahre. Ergotherapeuten, so Christiane Reiser, fielen durch ihre „unkonventionellen Verhaltensweisen“ auf, bewiesen jedoch stets Alltags- und Handlungskompetenz. „Sie sind in der Lage, in komplexen Tätigkeitsfeldern handeln zu können. Du hast Dein Handeln fortwährend angepasst“, sagte Reiser in Richtung ihres scheidenden „Chefs“. Dazu gehörte auch die Umwandlung innerhalb der Schulgemeinschaft von einer früher von Schreinern und Schlossern geprägten „Herrenriege“ hin zu einem „Weiberhaufen“. Flexibilität, Kreativität und Handlungsfähigkeit habe Rainer Vollmer („Zu seinen Lieblingsfächern gehörte der Metallunterricht“) auch bei der Einführung von interprofessionellen Angeboten gemeinsam mit der Physiotherapie und der Krankenpflege bewiesen. Seit vielen Jahren nimmt die Schule am „Erasmus +“-Programm (ehemals Leonardo) teil. Seit 2012 gibt es einen Kooperationsvertrag mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), was jungen Menschen die Möglichkeit bietet, den Studiengang „Interprofessionelle Gesundheitsvorsorge“ zu belegen und ihn mit dem „Bachelor of Arts“ abzuschließen. „Diese Beispiele stehen für Aktivitäten, die durch Dich und mit Dir erst möglich gemacht wurden“, lobte die designierte neue Schulleiterin.

Wie Christiane Reiser hob auch die ehemalige Ergotherapie-Schülerin und jetzige Studentin an der DHBW, Leonie Bernhard, den Humor und die Herzlichkeit Vollmers hervor. „Sie haben uns durch alle Höhen und Tiefen begleitet“, sagte Bernhard.

Wolfram Firnhaber, seit Jahresbeginn Vorstand der Bezirkskliniken Schwaben, kennt Rainer Vollmer noch nicht sehr lange. Die persönliche Würdigung überließ er deswegen anderen. Hervorzuheben sei, so Firnhaber, dass unter der Leitung Vollmers in all den Jahren etwa 1000 Ergotherapeutinnen und -therapeuten in Günzburg ausgebildet wurden. „Wir bilden viel mehr junge Leute für Dritte aus, aber auch für uns selbst.“ Firnhaber sprach im Namen der Bezirkskliniken ein klares Bekenntnis für den Fortbestand zur Einrichtung und ihren Schülern aus. „Sie sind uns unglaublich wichtig.“

„Sie haben viel für diesen Standort getan“, stellte Prof. Dr. Thomas Becker fest. Der Leitende Ärztliche Direktor des BKH Günzburg und Ärztlicher Kurator der Schule skizzierte den beruflichen Werdegang des scheidenden Schulleiters und warf einen Blick auf den Privatmensch Rainer Vollmer.

Werner Höhl, Mitglied des Leitungsteams des Fachausschusses Arbeit und Rehabilitation im Deutschen Verband der Ergotherapeuten, sprach über aktuelle Herausforderungen und Perspektiven der Ergotherapie. Die moderne Ergotherapie sei viel mehr als „Tonofen“ und „Peddigrohr“: Mit ihr sollen Menschen beispielsweise lernen, wie man ein Handy bedient, und aktive körperliche Betätigungen wie Gartenarbeit und Wandern fördern. Im politischen und gesetzlichen Umfeld tue sich gerade sehr viel, so Höhl. So sei das Schulgeld (was es in Günzburg nie gab) abgeschafft und eine Ausbildungsvergütung eingeführt worden. Ziel sei, die Ausbildung auf Fachhochschul-Niveau zu bringen. Dank Rainer Vollmer, seinem kreativen Team von Lehrerinnen und Lehrern sowie den vielen externen Lehrkräften und Praxis-Ausbildungspartnern sei Günzburg bei all diesen Themen absolut auf Höhe der Zeit.

Kurz informiert

Die Berufsfachschule für Ergotherapie am Bezirkskrankenhaus (BKH) Günzburg wurde auf Initiative des damaligen Bezirkstagspräsidenten Dr. Georg Simnacher im Jahr 1980 gegründet. Sie war damals die 17. derartige Einrichtung in Deutschland. Heute gibt es mehr als 180. Wie Wolfram Firnhaber, Vorstand der Bezirkskliniken Schwaben, berichtete, ist die Berufsfachschule eine der wenigen, die nicht in privater Hand ist, und die einzige in Bayern, die an ein psychiatrisches Krankenhaus angegliedert ist. Die Schule, die von den Bezirkskliniken Schwaben getragen wird, bildet jährlich 24 Schülerinnen und Schüler aus. Aktuell sind je 19 Schüler in der 1. und 2.Klasse. Insgesamt sind es 72 Ausbildungsplätze, da die Ausbildung jeweils drei Jahre dauert und mit dem jeweiligen Schuljahr in Bayern beginnt. Die Lehrkräfte bringen den Schülern bei, wie sie hilfebedürftige Menschen wieder in den Alltag zurückführen, indem sie mit ihnen Alltagskompetenzen trainieren: Beispielsweise wie bediene ich einen Geldautomaten? Wie buche ich ein Busticket? etc. Die Berufsfachschule für Ergotherapie ist eine von drei Schulen am Campus Günzburg: Räumlich eng verbunden ist sie mit der Berufsfachschule für Krankenpflege (150 Plätze). Ein Stück entfernt auf der anderen Seite des BKH-Geländes befindet sich die Berufsfachschule für Physiotherapie mit 66 Ausbildungsplätzen.

Kategorien: Gesundheit

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