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Bezirk fördert Schwabens kulturelle Vielfalt – gerade in der Krise

02.07.2020 Unter dem Motto „Wir lassen niemanden im Stich“ beschloss der Kultur- und Europaausschuss des Bezirks Schwaben, die für 2020 vorgesehenen Fördermittel zu 100 Prozent auszuzahlen. In seiner jüngsten Sitzung in Wemding bewilligte er erneut die Förderung einer Vielfalt von Großprojekten in ganz Schwaben.

Freiberufliche Kulturschaffende und die Veranstalter von Konzerten und Theateraufführungen, die oftmals ein hohes finanzielles und ehrenamtliches Engagement aufbringen, trifft diese Zeit sehr hart. Mit der vollen Ausbezahlung der zugesagten Förderungen setzt der Bezirk Schwaben nun ein deutliches Signal – und leistet seinen eigenen Beitrag, dass während und nach der Pandemie die kulturelle Vielfalt in Schwaben weitgehend erhalten bleibt. „Denn wenn wir die Kulturschaffenden jetzt ´hängen lassen´“, ist sich Bezirkstagspräsident Martin Sailer sicher, „würden wir unglaublich viel verlieren, was nachher auch mit unheimlich viel Geld nicht wieder zurückgeholt werden kann.“

Bei organisatorischen Fragen, wie mit Verschiebungen, (digitalen) Format-Veränderungen oder Absagen umgegangen wird, sollen gemeinsam flexible Lösungen gefunden werden, die den Antragsteller nicht unnötig belasten, aber auch für die Verwaltung leistbar sind. Laut Sailer ist es für den Bezirk erklärtes Ziel, „die Kunst- und Kulturszene, die ich als wesentlichen Bestandteil unserer Infrastruktur betrachte, am Laufen zu halten. Nicht nur in den Städten, auch im ländlichen Raum sollten wir diesen fruchtbaren Boden, auf dem Schwabens Kultur gedeiht und blüht, nicht austrocknen lassen und verwüsten.“

Eigentlich hätte der Frühjahrs-Kulturausschuss schon im März getagt. Da dieser Corona bedingt nicht stattfinden konnte, wurden damals bereits unbürokratisch alle Anträge auf Kulturförderung im Bereich Theater und Musik, die den Richtlinien entsprachen, bewilligt. Auch hatten alle Künstler, die für bezirkseigene Veranstaltungen gebucht waren, schon im März ihre Ausfall-Gagen erhalten.

Auswahl schwabenweit relevanter, projektbezogener Zuschüsse

Der Opernkoffer für Schwaben

Das ist ein 90-minütiges Format für Schulklassen der Unter- und Mittelstufe. Musiktheaterpädagogisch begleitet vermittelt es Teile bekannter Werke aus Oper, Operette oder Musical in der Schule. Beim gemeinsamen Singen und Agieren wird das Genre spielerisch vermittelt, die Kinder niedrigschwellig an diese Form der Kultur herangeführt − und dafür begeistert. Bis 2018 förderte der Bezirk Schwaben die Kinder- und Jugendsparte des Stadttheaters Augsburg mit Zuschüssen in Höhe von 33.300 Euro. Seit der Umwandlung in ein Staatstheater wird der „Opernkoffer für Schwaben“ projektbezogen gefördert. 2020 beläuft sich der freiwillige Zuschuss auf 26.700 Euro. Das Angebot steht allen Schulen im Bezirk Schwaben offen.

Neu: Förderung konkreter jüdischer Kulturarbeit in Schwaben

Die Förderung der jüdischen Kulturarbeit wurde vom Bezirk Schwaben ab diesem Jahr um 20.000 Euro erhöht, um konkrete jüdische Kulturarbeit in Schwaben zu unterstützen und einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Angedacht ist insbesondere die Förderung von Vorhaben an den über 15 historischen Synagogenorten in Bayerisch-Schwaben. Seit 2004 besteht ein Netzwerk, das vom Jüdischen Museum Augsburg begleitet wird. In enger Kooperation mit den jeweiligen Freundeskreisen der Synagogen werden viele Projekte umgesetzt. Dazu zählen Veranstaltungen zur jüdischen Geschichte und Kultur, Maßnahmen zur Erhaltung von Gebäuden, Objekten, Veröffentlichungen zur jüdischen Ortsgeschichte und Projekte, die sich mit dem Antisemitismus auseinandersetzen. Damit leisten sie einen bedeutenden Beitrag zur Erinnerungskultur in Schwaben. Die Projektförderung beträgt maximal 5.000 Euro, gefördert werden 50 % der Gesamtkosten.

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Auswahl förderwürdiger Projekte nach Städten und Landkreisen

Landkreis Donau-Ries: KunstMuseum Donau-Ries in Wemding

Das KunstMuseum besteht seit 18 Jahren unter der Leitung der Künstlerin Annette Steinacker-Holst und zeigt auf 4.000 m² drei große Kunstsammlungen mit Gemälden und Skulpturen der Künstler Ernst Steinacker, Prof. Caspar Schlötter und Annette Steinacker-Holst. Für Vielfalt und Abwechslung sorgen Sonderausstellungen mit Künstlern aus Schwaben und auch aus fernen Ländern. Besonders bemerkenswert ist hier die Sammlung alter afrikanischer Holz- und Bronzeplastiken. In den großzügigen Räumen und Ateliers werden viele Workshops zu Malerei, Literatur, Schauspiel, Musik und Modedesign veranstaltet. Herausragend sind auch die inklusiven und interkulturellen Angebote: Künstlern, Schulklassen, Kindern und Menschen mit Behinderung oder Migrationshintergrund bietet das KunstMuseum ein in Schwaben einzigartiges kulturelles Forum. 2020 fördert der Bezirk Schwaben den Betrieb des KunstMuseums mit je einem einmaligen Zuschuss in Höhe von 25.000 Euro. Höchste Priorität bei der Gesamtmaßnahme hat dabei die Sicherstellung der Barrierefreiheit.

Landkreis Lindau: „Cavazzen“

Das Projekt „Cavazzen“ der Stadt Lindau beinhaltet zwei verschiedene Maßnahmen: die bauliche Sanierung des Gebäudeensembles „Cavazzen“ und die Neukonzeption und Neugestaltung der Dauerausstellung im dort untergebrachten Stadtmuseum. Der Bezirk Schwaben fördert beide gemäß seiner „Richtlinien zur Förderung der Denkmalpflege“ (149.100 Euro) sowie der „Förderung des Museumswesens“ (300.330 Euro). Die Zuschüsse erfolgen freiwillig und einmalig. Bei den „Cavazzen“ handelt es sich um das bedeutendste Beispiel eines repräsentativen Bürgerhauses des 18. Jahrhunderts am Bodensee, eines Denkmales von außergewöhnlicher Bedeutung, auch auf Bundesebene.

Landkreis Oberallgäu: Heimathaus Sonthofen

Das Heimathaus Sonthofen erhält einen Erweiterungs- und Verbindungsbau und steht zukünftig als familienfreundliches Museum mit rund 1.000 m² öffentlicher Nutzfläche für Besucher zur Verfügung. Für den Dauerausstellungsbereich ist eine barrierefreie Erschließung vorgesehen. Sie berücksichtigt Familien mit Kleinkindern, Besucher mit Seh- oder Hörbehinderung sowie mit motorischen und kognitiven Einschränkungen. Im historischen Bauernhaus sind alle Elemente der Ausstellungsarchitektur barrierefrei zugänglich. Auf Grund der komplexen Anforderungen des Denkmalschutzes wird hier ein interaktives Medienterminal im „Sammelstüble“ platziert, mit dem die Räume des Obergeschosses und vertiefende Informationen digital abgerufen werden können. Das Vermittlungsprogramm richtet sich an alle Altersstufen. Laut Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen handelt es sich um ein Museumsprojekt von gesamtschwäbischer Bedeutung. Der Bezirk Schwaben begrüßt das inklusive Vorhaben und unterstützt das Projekt gemäß seinen „Richtlinien zur Förderung des Museumswesens“ mit 213.775 Euro.

Stadt Augsburg: Bahnpark Augsburg

Der Bahnpark Augsburg ist seit Oktober 2008 Eigentum der gemeinnützigen Bahnpark Augsburg GmbH. Er umfasst eine Fläche von insgesamt 38.000 m² und gilt mit drei großen Baudenkmälern (Dampflokhalle, Rundhaus, Übernachtungsgebäude) und einer denkmalgeschützten technischen Anlage (Gleise, Weichen, Oberleitungsspinne, Wasserkran) als eines der größten Industriedenkmäler Bayerns. Neben der denkmalpflegerischen Sanierung der Gesamtanlage soll im Bahnpark Augsburg eine museumsähnliche Einrichtung entstehen. In diesem Sinne wird seit einigen Jahren die Sammlung an Großexponaten aus über 12 europäischen Ländern zusammengestellt. Unter dem Titel „Rundhaus Europa – Loks erzählen Geschichte“ soll eine Dauerausstellung zum Europäischen Einigungsprozess entstehen. Das Areal mit seinen Gebäuden ist in Süddeutschland einzigartig. Der Bezirk Schwaben fördert das Angebot im Jahr 2020 mit 25.000 Euro und stellt ebenfalls einen weiteren jährlichen Zuschuss bis 2023 in derselben Höhe in Aussicht.

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Kategorien: Bezirk Schwaben, Kultur und Heimatpflege