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Großes Therapieangebot soll jedem Einzelnen helfen, auf die richtige Bahn zurückzufinden

Ärztlicher Direktor Norbert Ormanns (Zweiter von links) erläutert seinen Gästen den neuen Andachtsraum im Erweiterungsbau der Forensischen Klinik: (von links) Dr. Dorothea Gaudernack (Leiterin Amt für Maßregelvollzug), Oberbürgermeister Stefan Bosse, Bezirkstagspräsident Martin Sailer und Staatsministerin Carolina Trautner.
Besichtigung des Andachtsraums (Bild: Georg Schalk)

04.08.2020 Eine große Bedeutung innerhalb der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie Kaufbeuren kommt der ergotherapeutischen Abteilung zu. Beim Besuch von Sozialministerin Carolina Trautner stellte die Leiterin der Ergotherapie, Andrea Grygorowicz, diesen Bereich vor. Außerdem präsentierte sie soziale Projekte, an denen die Forensik und ihre Patienten beteiligt sind.

Ziel sei es, die Patienten, die vom Gericht eingewiesen werden, zu motivieren, „damit sie möglichst gerne Therapie machen“, so Grygorowicz. Zu diesem Zweck gibt es einen individuellen Therapieplan, der gemeinsam mit und für jeden Einzelnen erarbeitet wird. „Wir haben viele Patienten, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind“, führte sie aus. Auch Männer mit Legasthenie und funktionalem Analphabetismus würden hier behandelt: Sie haben lesen und schreiben gelernt, können das aber nicht anwenden.

Nach Angaben der Ergotherapie-Leiterin gibt es seit 2012 die Möglichkeit, dass die Patienten der Klinik einen Abschluss der Mittelschule, einen Qualifizierenden Abschluss der Mittelschule oder einen „mittleren Mittelschulabschluss“ machen können. „Die meisten schaffen das“, so Grygorowicz. Die Klinik bildet in ihrer Therapie-Schreinerei auch selbst aus. Den ersten Lehrling aus dem Suchtbereich sei nach erfolgreichem Abschluss von den Bezirkskliniken Schwaben sogar angestellt worden, berichtete Ärztlicher Direktor Norbert Ormanns.

Die Ergotherapie beteiligt sich bei der örtlichen Hilfsorganisation Humedica, indem sie beispielsweise Spendenkartons befüllt. Patienten häkeln für Frühchen (sehr kleine Frühgeborene) kleine Tintenfische, genannt „Oktis“. Für das Kinderheim Biberburg in Pforzen erledigen sie kleinere Reparaturen. Die Klinik arbeitet mit dem Stadtjugendring zusammen, die Patienten organisieren den Auf- und Abbau der Stadtranderholung. Für den Erweiterungsbau der Forensik hat die Therapie-Schreinerei beinahe alle Möbel selbst gemacht. Seit Jahren überreicht die Forensische Klinik jedem Neugeborenen der Stadt Kaufbeuren eine „Babygarderobe“. „Die kommen total gut an“, hat Ormanns festgestellt. Gefertigt werden die Stücke von Forensik-Patienten. Sie fahren die Garderoben-Sets aus Holz selber aus und überreichen sie den Müttern. „Ich finde das ganz toll, wenn man an einem Projekt gearbeitet hat, zu sehen, wo es hinkommt“, sagte Ministerin Trautner. Darüber hinaus gibt es eine Klinik-Musikband und eine Theatergruppe, die auch mal öffentlich auftreten.

Im Verlauf der Behandlung werden die Patienten mit einem Bewerbungstraining fit gemacht für „die Welt draußen“. Ziel ist die Ermittlung und Förderung von Grundarbeitsfertigkeiten und -fähigkeiten. Die berufliche Wiedereingliederung soll angebahnt werden. Andrea Grygorowicz: „Wir fragen uns, wie wir dafür sorgen können, dass eine Teilhabe am Leben gelingt.“ In der offenen Ergotherapie, aber auch in den Bereichen Elektro, Malerei und Bauhof innerhalb des BKH soll getestet werden, wie die Patienten unter realen oder realeren Bedingungen zurechtkommen.

Selbstverständlich werden in der Forensik die auch in der Allgemeinpsychiatrie üblichen therapeutischen Behandlungsmethoden wie Bezugspflege, Psychotherapie und Psychopharmakologie gemäß den aktuellen Standards durchgeführt.

Carolina Trautner und die Delegation hörten sich die Ausführungen der Klinikvertreter sehr aufmerksam an. „Ein sensationelles Angebot“, stellte die Sozialministerin am Ende begeistert fest. „Dadurch werden die Menschen bestmöglich vorbereitet und unterstützt“, sagte sie und verband ihr Lob mit Anerkennung für die „tolle Arbeit“ der einzelnen Teams. Bezirkstagspräsident Sailer bezeichnete das Therapieangebot als „hervorragend“.

Kategorien: Bezirk Schwaben, Gesundheit, Soziale Hilfen

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