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Sehen, staunen, erleben: Die Handwerkertage im Schwäbischen Bauernhofmuseum

Balken werden mit der Axt bearbeitet: Ein Knochenjob.
Handwerkertage - Zimmerer (Bild: Tanja Kutter)

28.08.2018 Zum 39. Mal finden im Schwäbischen Bauernhofmuseum in Illerbeuren (Lkr. Unterallgäu) die Handwerkertage statt. Am 8. und 09. September 2018 tummeln sich auf dem weitläufigen Gelände von Schwabens Freilichtmuseum über 50 Gewerke mit mehr als 100 Akteuren und führen die alten Handwerkstechniken den Besuchern anschaulich vor.

Den Handwerkern über die Schulter geschaut

In Stuben, Tennen und Werkstätten gibt es überall etwas zu sehen. Instrumente werden gebaut, Körbe geflochten und Besen gebunden. Kunsthandwerk wie Kloster- und Goldschmiedearbeiten oder Hinterglasmalerei werden gezeigt und zum Verkauf angeboten. Hammerschläge und Sägekreischen, das Rütteln der Dreschmaschine oder das Klappern des Webstuhls vermitteln einen Eindruck davon, wie anders die Geräuschkulisse eines Dorfes noch zu Zeiten unserer Großeltern und Urgroßeltern war.

Kraftzehrende Tätigkeiten wie das Behauen von Balken oder Pflastern eines Weges stehen dabei in Kontrast zu filigranen Handarbeiten, die höchste Konzentration verlangen. 
Um das alte Handwerk und die Handarbeiten in ihrer Vielfalt zeigen zu können, reisen die teilnehmenden Handwerker aus ganz Schwaben und dem Allgäu an und lassen sich von den Besuchern über die Schulter schauen.

Zur anschließenden Stärkung verhelfen deftige Mahlzeiten, kühle Getränke sowie Kaffee und Kuchen, begleitet von der Musik ortsansässiger Musikkapellen. Die Vorführungen finden an beiden Tagen von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr statt, das Museum hat von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

Lebendige Tradition in Schwabens Freilichtmuseum

Seit 39 Jahren kommen die Vertreter alter Handwerkstechniken ins Museum, um ihr Können vorzuführen. Denn viele der gezeigten Techniken und Berufe sind schon seit der Industrialisierung, spätestens aber seit den 1960er Jahren im Verschwinden begriffen: Wagner und Weber, Küfer und Kesselflicker, Hutmacher und Hufschmied und viele andere mehr. Auch die früher ganz üblichen Handarbeiten wie Spinnen, Klöppeln oder Knüpfen wurden lange Zeit immer seltener ausgeübt und entwickeln sich erst jetzt wieder zum Trend. All diese Berufe und Techniken kann man an diesem Wochenende live erleben. 

Für das Schwäbische Bauernhofmuseum Illerbeuren sind die Handwerkertage im September daher von großer Bedeutung. Nicht nur Häuser und Lebenswelten vergangener Jahrhunderte sollen im Museum bewahrt werden, sondern auch das alte Handwerk. Nicht zuletzt ist die Veranstaltung auch eine willkommene Gelegenheit für die Handwerker selbst, ihr Können zu zeigen, sich unter Kollegen auszutauschen und Kontakte zu pflegen. Viele von ihnen sind seit Jahren dabei, manche von ihnen sogar seit der „ersten Stunde“ im Jahr 1980. 

Seither können die Museumsbesucher in Illerbeuren einmal im Jahr direkt neben den Handwerkern stehen, ihnen bei der Arbeit zusehen und Zeuge werden, wie ein löchriger Blecheimer geflickt oder der Stiel eines Beils mit dem Zugeisen bearbeitet wird. Vor allem aber haben sie die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Zu den verwendeten Materialien, zu der Zeit, die so ein Werkstück benötigt, zu der Leidenschaft für ein Handwerk, das so manch einen schon sein halbes Leben begleitet. Die gezeigten Arbeiten regen zum Staunen an und sind für den einen oder anderen vielleicht sogar eine Inspiration, sich mit dem überlieferten Wissen unserer Vorfahren auseinander zu setzen und einen eigenen Beitrag dafür zu leisten, damit es nicht verloren geht. 

Weitere Informationen unter www.bauernhofmuseum.de

Kategorien: Kultur und Heimatpflege, Museen