Doppelter Brückenschlag: Eine moderne Stahlkonstruktion verbindet jetzt den Garten von Kloster Irsee mit dem historischen Sommerhaus

15. Dezember 2021: Das Schwäbische Tagungs- und Bildungszentrum Kloster Irsee besteht aus den historischen Baukörpern Konvent- und Ateliergebäude sowie Sommerhaus und Erweiterungsbau Küferei. Die hügelige Topographie bringt es mit sich, dass sich zwischen Sommerhaus und Klostergarten ein etwa fünf Meter tiefer und drei Meter breiter Graben auftut, der bislang von einer einfachen Holzbrücke überspannt wurde.
Brückenkonstruktion (1)

Da diese keinen Wind- und Regenschutz bot und zunehmend morsch wurde, ist die hölzerne Brücke jetzt durch eine moderne Stahlkonstruktion ersetzt worden, die Funktionalität, Wetterschutz und Barrierefreiheit mit der Historie von Kloster Irsee verbindet. Einer begehbaren Skulptur gleich gestaltete Bildhauer Christian Rudolph die beiden Seitenteile des Brückenbauwerks als lateinische Textfelder, die den Prolog der Benedikt-Regel aus dem 6. Jahrhundert zitieren. „Obsculta o fili praecepta magistri et inclina aurem cordis tui“: „Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters und neige das Ohr Deines Herzens“, lautet das berühmte Vorwort der Ordensregel, nach der bis zur Säkularisation auch die Irseer Mönche ihr Leben ausrichteten.

„Wir haben heute einen doppelten Brückenschlag erlebt“, hebt Werkleiter Dr. Stefan Raueiser hervor: „Auf der einen Seite die barrierefreie Zugänglichkeit zwischen Konventgebäude, Laubengang, Sommerhaus und Küferei, auf der anderen einen historischen vom ehemaligen Benediktinischen Reichsstift Irsee zum Tagungs-, Bildungs- und Kulturzentrum des Bezirks Schwaben.“

Bis Frühjahr 2022 wird das denkmalgeschützte Sommerhaus noch modernisiert, um Arbeitsräume und Büros des Bildungswerks des Bayerischen Bezirketags, der Schwabenakademie Irsee und des Schwäbischen Bildungszentrums aufzunehmen. Der bekannte Leitspruch der Benediktiner – ora et labora et lege (Bete, Arbeite und Studiere) - findet sich daher in der säkularisiert-abgekürzten Fassung „Labora et lege“ auf der Stirnseite des neuen Brückenbauwerks wieder.

Trotz seiner 11 Tonnen Gewicht wurde die neue Brücke vom Stahl- und Maschinenbauunternehmen Springmann aus Achern (Baden) als filigranes Bauwerk konstruiert und von einem Spezialkran in seine Position unmittelbar neben den Laubengang des Prälatengartens sanft eingehoben. Der besondere Clou: Die 6,7 Meter lange, 2,5 Meter breite und 3,2 Meter hohe Fußgängerbrücke berührt das historische Baudenkmal nicht, sondern scheint davor zu schweben, da sie auf zwei Stahlträgern lagert, die im Erdreich neben dem Laubengang gegründet sind.

Hintergrund:
Das Stahl- und Maschinenbauunternehmen Springmann GmbH (www.maschinenbau-springmann.de) wurde vor über 100 Jahren als Dorfschmiede gegründet und entwickelte sich vom Handwerks- zum Industriebetrieb für Schweißkonstruktionen, Maschinenbauteile und Komplettbaugruppen.

Der 1959 in Aschaffenburg geborene Christian Rudolph (www.christianrudolph.com) lebt und arbeitet seit 2005 im Markt Irsee. Seine Papier- und Metallarbeiten sind geprägt von der künstlerischen Auseinandersetzung im Bereich der konstruktiven Bildhauerei.