Fachtagung in Thierhaupten zeigt: Kommunen setzen auf kreative Lösungen

16. November 2017: Eine Fachtagung der Schule der Dorf- und Landentwicklung Thierhaupten e.V. beschäftigte sich mit neuen Nahversorgungsmodellen und mit modernen Mobilitätskonzepten.
Teilnehmer der Fachtagung zu neuen Nahversorgungsmodellen und Mobilitätskonzepten

Teilnehmer der Fachtagung zu neuen Nahversorgungsmodellen und Mobilitätskonzepten

Bei der Tagung wurde deutlich: Ein intensives Zusammenspiel zwischen Kommune, Bürgerschaft, dem Handel und Dienstleistungsanbietern ist notwendig, um Angebote zu erhalten und Neue gemeinsam zu schaffen. Agile Bürgermeister und engagierte Bürger rufen neue Projekte in Leben. Die Bereitschaft zum Engagement ist groß. Da entsteht ein gemeinschaftlich geführter Dorfladen in Kombination mit einer Seniorenwohngemeinschaft wie im oberbayerischen Schleching, in Heimertingen im Unterallgäu gründen engagierte Bürger einen Seniorenverein für Fahrdienste. Der Markt Heimenkirch im Landkreis Lindau hat ein modernes Mobilitätskonzept entwickelt. Dennoch ist auch die Politik gefordert. Ohne solide Finanzierungsgrundlagen kann eine Verbesserung der Situation in den ländlichen Räumen kaum erzielt werden.

Die Baukultur, so Christine Degenhart, Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer, entfaltet ein großes Identifikationspotential. Sie vermittelt Respekt vor der Vergangenheit und gibt Impulse für die Zukunft. Die Architektur müsse durch intelligente Planung Verkehrsströme lenken und Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer garantieren. Nur durch die Einbindung der Bürger, so Christine Degenhart, könne noch keine gute Planung realisiert werden.

Menschen zu motivieren und Talente zu entdecken

Den Strukturwandel im Einzelhandel belegte Ministerialrat Leonhard Rill vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten anhand von Zahlen. Nur noch jede vierte ländliche Gemeinde verfüge über ein Lebensmittelgeschäft, so Rill. Kleinstunternehmen der Nahversorgung könnten künftig über Dorferneuerungsmittel gefördert werden, Chancen ergeben sich durch die Digitalisierung: Digitale Plattformen vernetzen Kunden, Erzeuger, Betreiber. Die Dorferneuerung baue auf die Entwicklung kompakter Siedlungen und lebendiger Ortskerne. Diese Sichtweise unterstützte auch Bürgermeister Josef Steigenberger, Vorsitzender des Bezirksverbandes Oberbayern vom Bayerischen Gemeindetag. Er plädierte für neue Mobilitätsformen, wie Rufbusse, Carsharing, Mitfahrdienste.

Den Ansatz der Enquete-Kommission zur Landentwicklung stellte Professor Dr. Manfred Miosga, Kommissionsmitglied, vor. Die Privatisierung der Infrastruktur habe räumliche Disparitäten befeuert und die Konzentration auf die Entwicklung der Metropolen verschärft. Dem setzt die Kommission das Konzept der räumlichen Gerechtigkeit mit den Dimensionen Verfahrens-, Chancen-, Verteilungs- und Generationengerechtigkeit entgegen. Ein neues Staatsverständnis liege der Gerechtigkeitsdebatte zugrunde, erklärte Manfred Miosga. Vielfältige Mobilitätsangebote und der Zugang zu grundlegender Infrastruktur spielt bei der räumlichen Gerechtigkeit eine wesentliche Rolle. Ein massives Zusammenspiel zwischen der Kommune, der Bürgerschaft, dem Handel und Dienstleistungsanbietern ist notwendig. Die Kommission stellte sich auch die Frage, ob der Katalog der kommunalen Pflichtaufgaben noch zeitgemäß ist. Sein Appell: "Die Kommunen brauchen solide Finanzierungsgrundlage und Unterstützung um handlungs- und gestaltungsfähig zu sein".

Die Kommission hat dazu zahlreiche Handlungsempfehlungen vorgelegt, die derzeit in den Fraktionen diskutiert werden.

Gerlinde Augustin
Schule der Dorf- und Landentwicklung Thierhaupten
Klosterberg 8
86672 Thierhaupten
info@sdl-thierhaupten.de
www.sdl-thierhaupten.de