Hunde und Ponys zaubern den Patienten ein Lächeln ins Gesicht

03. April 2025: Das Bezirkskrankenhaus Augsburg hat mit dem Einsatz von Tieren in der Therapie gute Erfahrungen gemacht und den Bereich ausgebaut. Die hausinterne Nachfrage ist groß. Außerdem wird regelmäßig ein Erlebnisbauernhof im Landkreis besucht.
Begegnungen und Spaziergängen mit Ponys – hier Moritz (links) und Tinkabell – sind bei den Patientinnen und Patienten des BKH sehr beliebt. Bild: Georg Schalk, Bezirkskliniken Schwaben

Während Luca schon ein alter Hase ist, ist Maja eher neu im Geschäft. Beide Hunde eint, dass sie im Bezirkskrankenhaus (BKH) Augsburg zu tiergestützten Interventionen eingesetzt werden und inzwischen bekannt sind wie ein bunter Hund. „Wenn ich ohne Hund komme, sind die Patienten enttäuscht. Es gibt viele Nach- und Anfragen“, sagt Sarah Brandl. Sie ist die Besitzerin von Luca, einem bosnischen Straßenhund. Der schwarze Vierbeiner mit seinen treuen Augen ist seit 1. Mai 2022 Teil des Teams der Station A1, einer Adoleszenten-Station. Dort werden junge Patientinnen und Patienten im Alter zwischen 18 und 27 Jahren behandelt, die zum Beispiel traumatische Erfahrungen gemacht haben oder unter Persönlichkeitsstörungen leiden. Eine große Hilfe auf dem Schritt zur Gesundung ist in vielen Fällen Luca.

Maja ist seit gut zwei Jahren im Team. Patienten kommen in der Regel in den Therapieraum, wo der Pudel-/Golden-Retriever-Mix ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubert. In der tiergestützten Therapie/Ergotherapie findet dann eine zielgerichtete Behandlung statt. „Das ist eine absolute Erfolgsgeschichte“, sagt ihre Besitzerin Mona Bäuml. Die Ergotherapeutin hat inzwischen eine Weiterbildung zur Fachkraft für tiergestützten Intervention erfolgreich abgeschlossen. Zusätzlich haben sie und Maja eine Ausbildung zum Mensch-Hund-Team gemacht. „Wenn unsere Patienten wissen, dass ein Termin mit uns ansteht, sind sie motivierter, ausdauernder und pünktlich da. Das funktioniert sehr gut“, berichtet Bäuml. Ihre Kollegin Sarah Brandl nickt. „Im Kontakt mit den Tieren kommen bei den Patienten viele Sachen zum Vorschein. Sie profitieren ungemein. Die meisten sagen, das sei der schönste Tag der Woche, wenn sie einen der Hunde oder Ponys streicheln dürfen.“

Ponys? Ja, richtig. Die gibt es im BKH inzwischen auch. Genauer gesagt, drei. Püppi, Moritz und Tinkabell – so heißen die drei Shetlandponys – gehören ebenfalls Sarah Brandl. Die Heilerziehungspflegerin transportiert sie mehrmals pro Woche von ihrem Stall in Aretsried (Kreis Augsburg) nach Augsburg, wo Patienten und BKH-Mitarbeiter mit ihnen auf dem weitläufigen Klinikgelände des BKH und drumherum ihre Runden drehen.
Damit nicht genug: Neben den beiden Stationshunden und den drei Ponys für den externen Einsatz gibt es zwei weitere Hunde, die im Bereich der tiergestützten Interventionen eingesetzt werden: Chilli von Anabel Adam auf den D-Stationen sowie Goran, den Stationsleiter Daniel Kretzinger auf der E1 regelmäßig mitbringt. Zum Verständnis: Fachleute unterscheiden zwischen tiergestützter Therapie und tiergestützten Aktivitäten. Da kommt es unter anderem auf den Grundberuf und die zusätzlichen Qualifikationen an. Der Überbegriff lautet „tiergestützte Interventionen“.

„Hunde – ob ausgebildete Therapie- oder Stationshunde – tun auf offenen Stationen im Stationssetting sehr gut“, weiß Sarah Brandl. Sie tragen zu einer entspannteren Atmosphäre bei und helfen Menschen, ihre emotionale Instabilität zu überwinden. Positives erleben die Therapeutinnen auch mit den Ponys. „Es gibt Patienten, die den ganzen Tag im Bett liegen. Aber wenn sie hören, dass die Ponys kommen, dann stehen sie auf.“
Allerdings gilt es einiges zu beachten. Bis ein Hund in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik eingesetzt werden kann, muss ein Gutachten bescheinigen, dass er für diese Tätigkeit charakterlich geeignet ist. Der Vierbeiner muss selbstverständlich gesund, geimpft und entwurmt sein. „Das Verhältnis zwischen Halter und Hund muss absolut intakt sein. Das Tier muss ein freundliches Wesen haben, darf nicht schreckhaft sein und soll grundsätzlich Interesse an anderen Menschen haben“, zählt Brandl weitere Voraussetzungen auf. Außerdem darf der Hund nicht überfordert werden. Die Arbeit mit den Patientinnen und Patienten verlangt auch ihm einiges ab.

Das gilt für die Ponys genauso. Maximal jeweils zwei bringt Sarah Brandl mit. Nicht mehr als zwei Stunden am Tag sind sie dann rund ums BKH mit den Patienten unterwegs. „Shetlandponys sind sehr schlau. Sie sind gut für das, was wir hier tun“, beschreibt die Heilerziehungspflegerin die Tiere. Pferde spiegelten den Charakter des Menschen, mit dem sie zu tun haben, wider, sie könnten über seine Körpersprache viel herauslesen und würden Schwächen aus ihm regelrecht „herauskitzeln“.

In den vergangenen Monaten wurde die tiergestützten Interventionen innerhalb der Ergotherapie im BKH auf neue Beine gestellt. Sie gehört nun zu den Komplementärtherapien, die Michael Lochner seit Ende vergangenen Jahres leitet. „Da natürlich nicht jeder Hundebesitzer sein Tier einfach zur Arbeit mitbringen kann, haben wir Regeln aufgestellt. So muss der Hund beispielsweise einen Wesenstest bestehen und die Freigabe durch das Gesundheitsamt erhalten“, berichtet Lochner. Um tiergestützte Interventionen auf offenen Stationen noch mehr zu fördern, soll in nächster Zeit eine hausinterne Informationsveranstaltung für Mitarbeitende abgehalten werden.
Zusätzlich fahren BKH-Mitarbeitende mit älteren Patientinnen und Patienten derzeit einmal pro Woche nach Herpfenried (Gemeinde Horgau; Kreis Augsburg), um den Rehhof zu besuchen. Dort können die betagten Senioren, die unter anderem an Demenz leiden, einen Vormittag lang Hühner füttern, Kaninchen und Meerschweinchen in ihrem Gehege besuchen, füttern und streicheln. Auch im Esel- und Ziegenstall können die Tiere gestreichelt und gebürstet werden. „Die Begeisterung ist groß. Bei den meisten Senioren liegt es schon viele Jahre zurück, dass sie Kontakt mit Tieren hatten. In solchen Momenten fällt ihnen wieder sehr viel von früher ein. Es werden Sinne angesprochen, die Bewegung an der frischen Luft tut gut. Es gibt Gesprächsstoff ohne Ende“, berichtet Mona Bäuml von den zahlreichen positiven Erfahrungen. Sie hatte den Kontakt zu dem Erlebnisbauernhof geknüpft. Das Angebot soll bald auf zweimal pro Woche erweitert werden.

Großer Befürworter der tiergestützten Interventionen ist Ärztlicher Direktor Prof. Alkomiet Hasan, zugleich Lehrstuhlinhaber für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Augsburg und Prodekan der medizinischen Fakultät. Mit seiner Zustimmung läuft am BKH gerade eine Studie zur pferdegestützten Therapie mit Ponys. Dabei soll die Selbstwirksamkeit und Therapiezufriedenheit bei Patienten mit aversiven Kindheitserfahrungen untersucht werden. Dr. Irina Papazova (psychologische Psychotherapeutin/AG-Leitung Forschung) leitet die Studie, unterstützt wird sie von den beiden Medizinstudentinnen und Doktorantinnen Noa Lynn Hartmann und Lena Schoch.