Weißer Fleck auf der Landkarte ist getilgt: Psychiatrische Institutsambulanz in Aichach

29. Januar 2020: In Aichach nahm am 8. Januar 2020 die Psychiatrische Institutsambulanz der Bezirkskliniken Schwaben ihren Betrieb auf. Bis dort eine Tagesklinik eröffnet, werden aber wohl noch einige Jahre vergehen.
„Gemeinsam zusammen“ ist der Name eines Kunstwerkes, das in der Meringer Tagesstätte von psychisch Erkrankten gestaltet wurde.

Das Geschenk nahmen (von links) der oberärztliche Leiter der PIA Aichach, Dr. Andreas Gartenmaier, mit Landrat Klaus Metzger von Fritz Schwarzbäcker, Vorsitzender des Vereins „Kennen und Verstehen“ entgegen. Rechts Aichachs Bürgermeister Klaus Habermann, in der Mitte im Hintergrund Bezirkstagspräsident Martin Sailer.

Die neue Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) in Aichach ist sehr gut angelaufen. Schon ab dem ersten Tag ihrer Inbetriebnahme klingelte den ganzen Vormittag das Telefon und Patienten kamen vorbei. Für die Region ist es eine ganz besondere Einrichtung: Mehr als 20 Jahre hatte man dafür gekämpft. Am 8. Januar 2020 wurde die PIA im Altbau des Krankenhauses eröffnet und damit ein weißer Fleck auf der Landkarte getilgt.

Die PIA Aichach gehört organisatorisch zum Bezirkskrankenhaus (BKH) Augsburg, bietet als eigenständige Außenstelle allerdings alle Leistungen vor Ort an. Behandelt werden dort Menschen mit seelischen Erkrankungen ab dem 18. Lebensjahr, sofern nicht eine Suchterkrankung im Vordergrund steht. Aufgabenschwerpunkt ist die Langzeitbehandlung von chronisch kranken Menschen mit besonderen medizinischen und sozialen Problemen. Diese Behandlung umfasst je nach Krankheitsbild medikamentöse, psychotherapeutische und soziotherapeutische Ansätze.

Zum Team, das in Aichach von Montag bis Donnerstag jeweils von 9 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung tätig ist, gehören vier Mitarbeiter: eine Ärztin, zwei Pflegekräfte und eine Sekretärin. Später soll noch ein Sozialpädagoge hinzukommen. Bei einem größeren Bedarf ist eine Ausweitung der Öffnungszeiten und der Mannschaft möglich. Ärztlicher Gesamtleiter Dr. Andreas Gartenmaier glaubt, dass das gar nicht mehr so lange dauern wird. „Die räumlichen und personellen Ressourcen werden bald ausgeschöpft sein und wir werden über eine Erweiterung nachdenken müssen“, sagte er bei der Einweihungsfeier am 7. Januar.

Dort herrschte unter den 100 Gästen Freude, Zufriedenheit und Dankbarkeit. Von einem besonderen Tag für den Landkreis sprach Bezirkstagspräsident Martin Sailer. „Ein lang gehegter Wunsch beginnt in Erfüllung zu gehen.“ Sailer dankte den Menschen, die sich in zwei Jahrzehnten immer wieder für das Thema eingesetzt hatten. „Wenn man auf verschiedenen Ebenen zusammenhält, sich die Bälle zuspielt und geschlossen kämpft, kann man viel erreichen“, meinte der Bezirkstagspräsident, der zugleich Verwaltungsratsvorsitzender der Bezirkskliniken Schwaben ist.

Bis die Bezirkskliniken den Zuschlag für die PIA bekamen, habe man durch mehrere Instanzen gehen müssen, so Sailer. „Es war ein langer und steiniger Weg – aber viele haben mitgeholfen.“ Was ihn besonders freute, ist, dass es sich um ein inklusives und gemeindenahes Angebot handelt. Thomas Düll, Vorstandsvorsitzender der Bezirkskliniken Schwaben, legt größten Wert darauf, dass somatische und psychiatrische Patienten grundsätzlich denselben Eingang nutzen. Bei allen Einrichtungen des Gesundheitsunternehmens ist das so oder aber der Eingang zu einer psychiatrischen Klinik befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Allgemeinkrankenhaus. Deswegen wird eine Tagesklinik an diesem Standort, sollte sie in drei, vier Jahren realisiert werden, nur als Aufstockung auf dem Neubau in Frage kommen. Doch dazu später mehr.

Zurück zur Ambulanz. Die PIA sei eine großartige Sache für die Stadt im Ringen um die Kliniken an der Paar, sagte Landrat Klaus Metzger. „Das ist auch wieder ein Standortfaktor, der weit in die Zukunft reicht.“ Metzger betonte, dass die Region dringend darauf angewiesen sei, psychiatrische Versorgung zu bekommen. Die PIA in Aichach biete Menschen mit seelischen Erkrankungen nun kurze Wege.
Ehrenamtliche, die sich seit vielen Jahren für eine solche Einrichtung eingesetzt hatten, haben sich im Verein „Kennen und Verstehen“ zusammengeschlossen. Ihr Vorsitzender heißt Fritz Schwarzbäcker, der amtierende Nachfolger der verstorbenen Margit Blaha, die den Verein 1997 aus der Taufe gehoben hatte. Schwarzbäcker sprach bei der Feier von einem „Festtag für Kennen und Verstehen“. Die PIA stelle nicht nur eine Verbesserung der therapeutischen Versorgung dar, sondern sei „eine irre Erleichterung“ für die Angehörigen, sagte der Vereinsvorsitzende erfreut. Neben schon vorhandenen Angeboten für psychisch Kranke im Landkreis Aichach-Friedberg würden auch genau diese kleinen, dezentralen Angebote benötigt.

Eine Besonderheit stellen die Räume dar, in der die Ambulanz zu finden ist. Die PIA nutzt die KVB-Bereitschaftspraxis im Erdgeschoss des alten Aichacher Krankenhauses. Tagsüber ist das Team der PIA da, Mittwoch und Freitag abends, am Wochenende und an Feiertagen arbeitet hier die KVB-Bereitschaftspraxis. Außerhalb der Öffnungszeiten der Ambulanz werden psychiatrische Patienten durch die BKH Günzburg und Augsburg ambulant versorgt – stationär durch das BKH Günzburg.

Bis in Aichach eine psychiatrische Tagesklinik eröffnet, wird es noch eine ganze Zeit dauern. „Bis dato ist lediglich der Bedarf von 24 Plätzen anerkannt worden“, informiert Vorstandsvorsitzender Düll. Bezirkstagspräsident Sailer ergänzte bei der Eröffnungsfeier: „Wir müssen noch durch das Krankenhausbauprogramm kommen.“ Danach müssten die konkreten Bauplanungen erfolgen. Der Vorsitzende von „Kennen und Verstehen“, Schwarzbäcker, glaubt, dass dies noch ein langer Weg werden wird. Dennoch sieht er „Licht am Horizont“. Für schwer psychisch kranke Menschen bedeutet die PIA aber erst einmal ein zusätzliches Angebot an Arztterminen, weniger Fahrerei und einen weiteren Schritt auf dem Weg zu einem größeren gesellschaftlichen Bewusstsein - dafür, dass Kranksein nicht nur eine Blinddarmreizung, Arthrose oder Herzrhythmusstörung umfasst, sondern auch eine Schizophrenie, Angststörung oder schwere Depression sein kann.

Oberarzt Dr. Gartenmaier stellte fest, dass die Zahl der Behandlungsfälle in den Institutsambulanzen seit Jahren gewaltig zunimmt. Es gebe heute noch viele Menschen aus der Gruppe der schwer und chronisch Kranken, die nicht ausreichend versorgt seien. „Alle vorhandenen Behandlungsplätze werden regelrecht aufgesogen.“ Die PIA in Aichach bezeichnete Gartenmaier als Meilenstein.